Historie
Von der einfachen Badestelle bis zur Vollendung des Osnabrücker Bäderkonzepts
Vor dem zwanzigsten Jahrhundert nutzten die Osnabrücker vor allem
ihren Fluss, die Hase, das Flüsschen "Nette" sowie die zahlreichen
kleinen Bäche zum Baden und Erfrischen an heißen Tagen. Zumindest in
der Hase war dies unter heutigen hygienischen Gesichtspunkten eine eher
zweifelhafte Angelegenheit.
Eine
einfache Badestelle an der Wachsbleiche ist aus früherer Zeit noch
dokumentiert. Hier fanden die Bürger der Stadt Gelegenheit zum Baden,
vielleicht auch zum Schwimmen. An zahlreichen anderen Stellen tummelte
sich die Osnabrücker Jugend an der Wellmannsbrücke, am Stahlwerk und an
der Hamburger Straße im Wasser der Hase.
Eine
Bürgerinitiative führte 1883 zum Bau des ersten Osnabrücker
Warmbadehauses am Pottgraben (heute das "Alando Palais"). Als Ersatz
für den wegen der Haseverschmutzung aufgegebenen Freibadteil am
Pottgraben, richtete die Stadt Osnabrück an dem Flüsschen Nette im
Norden der Stadt im Stadtteil Haste ein Freibad ein. Dort gab es schon
vorher eine Militärbadeanstalt.
In
den zwanziger und dreißiger Jahre erreichte die Badekultur in Osnabrück
einen ersten Höhepunkt. 1922 schenkte die Osnabrücker
Badehaus-Aktien-Gesellschaft der Stadt das Pottgrabenbad. 1925/26
folgte an der so genannten Moskauquelle der Bau des Moskaubades (1998
vollständig saniert). 1927 erhielten die Schinkeler Bürger "ihr"
Freibad an der Wellmannsbrücke.
Zwischen
1921 und 1930 bauten gleich drei Schwimm- und Badevereine vier
Freibäder. Eins im Garten der Blumenhalle (Blumenhaller Weg). Fünf
Jahre später siedelte der Verein in das Gebiet der Martinsburg um.
Hier
gab es dann schon ein 25-Meter-Schwimmbecken. Großartige Leistungen
vollbrachte auch der Schwimmclub Neptun Osnabrück, der von 1922 bis
1956 am Stichkanal gegenüber der Papierfabrik Kämmerer (heute Ahlstrom)
ein Strand- und Freibad betrieb.
Im
Stadtteil Eversburg war es dann der "Verein für Jugend und
Körperpflege" der 1928 an der Römerbrücke in Pye ein Freibad
errichtete. Dieser Verein und sein Nachfolger kämpften bis 1957 um die
Erhaltung des Kanalbades.
Der
Vollständigkeit halber seien noch das Freibad in der
Winkelhausenkaserne (1935), das Lehrschwimmbecken an der
Agnes-Miegel-Realschule (1963) und das Schwimmbecken der Pädagogischen
Hochschule an der Jahnstraße (1969) genannt.
Recht
stolz war man seinerzeit auf das Niedersachsenbad, das 1963 bis 1966
mit einem Kostenaufwand von rund 7 Millionen DM gebaut wurde.
Nach
dem Verlust der Bäder am Kanal und an der Nette hofften die Bürger im
Norden der Stadt auf Ersatz. Bereits seit 1957 war das Freibad Haste im
Gespräch. Mehrere Standorte wurden untersucht, bis sich der Rat der
Stadt 1965 für das Gebiet der Nette entschied. 1969 erschienen dafür
erneut Planungsmittel im Etat. Ein Ideenwettbewerb fand das Interesse
von 36 Architekten und Ingenieuren.
Nach
vielen Besichtigungsfahrten des damaligen Bau- und Garten- und
Friedhofsausschusses sowie nach einer weiteren Ausschreibung gab der
Rat 1971 "Grünes Licht" für den Baubeginn.
Während
bei den Olympischen Spielen in München der amerikanische Schwimmathlet
Mark Spitz sieben Goldmedaillen gewinnt, Ernie und Bert aus der
Sesamstraße zum ersten Mal Kinderherzen am Bildschirm entflammen,
während in Wolfsburg der 15-millionste VW-Käfer das VW-Werk verlässt
und "Skylab" im Orbit Bahnen zieht, heben schnaufende Bagger und
fleißige Bauarbeiter an der Nette in Haste die Baugruben aus.
Nach
15-monatiger Bauzeit konnte schließlich das moderne Hallenfreibad in
Haste von dem damaligen Oberbürgermeister Ernst Weber und
Oberstadtdirektor Dr. Wimmer und Sportamtsleiter Herbert Willeke am 27.
Mai 1973 zur Benutzung freigegeben werden.
Übrigens:
Der Name "Nettebad" war zuvor in einem Namenswettbewerb von Osnabrücker
Bürgern am häufigsten genannt worden und hatte am 10. April des Jahres
die abschließende Zustimmung vom Verwaltungsausschuss gefunden.
Horst
Grunewald, der damalige Vorsitzende des SSC Dodesheide, erteilte im
Rahmen der Eröffnungsfeier den Startschuss für den 1. Osnabrücker
Staffeltag.
Ein modernes Hallen- und Freibad in schöner Natur
Malerisch gelegen und gut erreichbar entwickelte sich das Nettebad
in den Folgejahren zu einem beliebten Treffpunkt im Naherholungsgebiet
Nettetal - direkt am Flüsschen Nette, umgeben von hohen Bäumen. An
manchen Sommertagen fanden über 10.000 Badegäste Erholung.
Nach
gut zwanzig Jahren Badebetrieb zeigten sich allerdings Anfang der
neunziger Jahre im Nettebad die ersten Ermüdungserscheinungen.
Der Zahn der Zeit hatte dem Komplex mittlerweile zugesetzt, was bei Bade- und Freizeitbauten durchaus üblich ist.
Gleichzeitig
hatten Veränderungen im Freizeitverhalten und der Bau moderner Bäder
und Freizeitparks dazu geführt, dass das Angebot im Nettebad vielen
Besuchern als nicht mehr zeitgemäß erschien.
Dies
bestätigte auch eine aufwändige Bürger- und Gästebefragung 1998. Sie
ermittelte die aktuellen Wünsche der Bevölkerung und führte in der
Folgezeit zum Osnabrücker Bäderkonzept 2000plus mit seiner Ausrichtung
auf drei Bäderstandorte.
Der Entscheidung des Rates
der Stadt Osnabrück im Jahre 2001 für den Bau des neuen Nettebades ging
also eine lange Vorbereitungs- und Entwicklungsphase voraus. Bereits
1995 wurden für das alte Nettebad erste Sanierungs- und
Erweiterungspläne entworfen. (Viele Osnabrücker Bäder befanden sich in
einem sanierungsbedürftigen Zustand oder erfüllten nicht mehr die
veränderten Bedürfnisse der NutzerInnen.)
Schließlich
fand im Jahr 2000 für den geplanten Umbau des Nettebades ein europaweit
ausgeschriebener Architektenwettbewerb statt.
Ein
Preisgericht prämierte aus den eingereichten Arbeiten vier Vorschläge -
vier weitere Arbeiten kaufte die Stadt an, um zusätzliche Ideen für das
Projekt zu verfolgen.
Den Zuschlag für die
architektonische Umsetzung erhielt die Planungsbüro Rohling AG. Am 22.
Juli 2002 war es soweit: Die Bagger rückten an und begannen mit dem
Abbruch des alten Nettebades (nachdem es in den Vormonaten bereits
entkernt worden war).
Mit seiner Eröffnung Mitte März
2005 vollendet das Nettebad einen weiteren großen Abschnitt des
Osnabrücker Bäderkonzept 2000plus.
Neben dem neuen
Nettebad gehören heute zu den Osnabrücker "Wasserwelten" das
Schinkelbad (als modernes Gesundheitsbad), das Nettebad (als Action-,
Sport- und Wellnessbad) und das Moskaubad als Freibad mit
Kleinschwimmhalle.
Diese Bäderlandschaft wird den
Bedürfnissen aller Bevölkerungsgruppen von Kindern, Familien,
Sportvereinen und Initiativen in Osnabrück zeitgemäß und
zukunftsweisend gerecht.
Das neue Nettebad wird dabei den Part "Action, Sport und Wellness" übernehmen.